Tauchen im Geiseltalsee

Wo früher die Schaufelbagger Kohle zu Tage führten

Bericht vom Tauchen

An diesem sonnigen Wochenende erkundeten wir ein neues Tauchrevier in Sachsen Anhalt - den "Geiseltalsee". Hier nun der Erfahrungsbericht dazu.

Info: Mit einer Fläche von 19km² ist der Geiseltalsee aktuell der größte künstlich angelegte See in Deutschland. Entstanden ist er durch Flutung eines ehemaligen Braunkohlentagebaus. Auf dem Dauercampingplatzgelände in Stöbnitz wird seit dem 17.04.2014 das Tauchen angeboten.

Am 27.09.2014 begaben wir uns nun zur Tauchbasis "Tauchzentrum Geiseltalsee" um den See taucherisch erstmalig zu erkunden. Die Basis befindet sich oberhalb des Sees. Dort erfolgt die Anmeldung und Belehrung.

Tauchplatz

Achtung!

Für das Tauchen im See ist das Mitführen einer Taucherboje vorgeschrieben. Diese Information stand weder auf der Internetseite der Tauchbasis, noch wurden wir trotz vorheriger telefonischer Anfrage zum Tauchbetrieb darauf hingewiesen. Also ist man gezwungen, sich diese für 3,50 Euro bei der Tauchbasis auszuleihen. Bei 10,00 bis 15,00 Euro Neupreis einer solchen Boje ein fetter Obolus. Kulanz wegen nicht erfolgter Information diesbezüglich wurde nicht gewährt. Ein Schelm wer Böses denkt.

An der Tauchbasis wird das eigene Fahrzeug geparkt und das Tauchequipment in einen Shuttletransporter umgeladen. Dann wird man am Campingplatz vorbei zum Tauchereinstieg gefahren. Dort macht man es sich (wie an anderen Tauchplätzen auch) bequem. Allerdings merkt man sofort das weitere Erweiterungen notwendig sind. Hat man keinen nichttauchenden Partner dabei, ist man angeraten sämtliche Wertsachen, einschließlich Handy, im Auto an der Basis zu lassen. Somit fehlt die Möglichkeit zum Transport oder Flaschenfüllen den Shuttle zu rufen (vorab also Zeiten vereinbaren). Viel schlimmer ist die Tatsache, dass sich am, bzw. in direkter Nähe zum Tauchereinstieg keine Toiletten befinden. Diese sind nur an der Tauchbasis und damit allerdings zu weit zu Fuß und vor allem Berg hoch. Da die meisten Taucher am Ende eines Tauchganges gewisse Bedürfnisse haben,... die armen Büsche. Der Shuttleservice selber ist allerdings hervorragend organisiert.

Nun zum Tauchen:

Den ersten Tauchgang starteten wir vom Einstieg mit 210°zur Plattform auf 20m Tiefe. Der Tauchgang beginnt über eine grüne "Wiese" von Wasserpest und fällt dann ab auf unbewachsenen schlammigen Untergrund. Dabei kommt man immer mal wieder an Restkohleflächen vorbei. Beeindruckend ist der Unterwasserwald. Die Büsche sind fast vollständig mit Muscheln besetzt. Es sind einfach unbeschreiblich viele. Auf der Plattform (stabiles Gitterrost) steht ein altes Notebook. Die Wassertemperatur betrug hier unten 7°C. Danach sind wir 90° nach rechts hochgetaucht in den Pflanzenbereich. Eigentlich sollen sehr viele Fische im See sein, nun ja, dieses Wochenende waren sie an einer anderen Stelle im See. Wir sind dann am Einstieg vorbei bis zu Bootsanlegersteg getaucht, hier wurde es schon interessanter. Hier gab es schon mal ein paar kleinere Barsche und auch einen kleinen Hecht. Auch liegen hier etliche Betonsockel an denen der Steg mit Ketten und Seilen verankert ist. Ist ganz interessant. Zurück zum Einstieg beendeten wir den Tauchgang. Da wir die einzigen Taucher waren hatten wir eine ruhige Oberflächenpause bei super Wetter. Zur verabredeten Zeit kam auch pünktlich das Shuttle um die Flaschen zum Füllen abzuholen. Der Service funktioniert hervorragend, Lob dem Fahrer.

Den zweiten Tauchgang begannen wir mit Abstieg zu den beiden anderen Plattformen in Richtung 180°. Die eine liegt auf 7m Tiefe, die andere etwas daneben auf 10m. Die Plattformen sind ebenfalls aus sehr stabilen Gitterrosten gefertigt. Die Plattform auf 7m Tiefe war vollständig mit Muscheln bevölkert, sehr beeindruckend. Nur möchte man sich dann doch nicht auf die Plattform hinknien, dies wäre schlecht für die Muscheln. Die Plattform auf 10m Tiefe war dann aber komplett Muschelfrei. Wir tauchten dann weiter mit Kurs 90° in Richtung der Bojen am Badestrandbereich. Auf dem Weg dahin (ca. 30min in 15m Tiefe) kamen wir wieder an vielen Büschen vorbei, voll behangen mit unzähligen Muscheln. Dort begegneten wir auch einem wirklich kapitalen Hecht. Leider sind die Fische im See die Taucher noch nicht gewöhnt und deshalb sehr scheu. Nun kamen wir an einen Canyon welcher aus Richtung Ufer weiter abfiel in den See hinein. Nun ging es mit 0° rauf Richtung Ufer und dann nach links (Ufer rechte Schulter) vorbei am Bootsanlegersteg zurück zum Einstieg.

Die Höhepunkte der Tauchgänge waren der Unterwasserwald mit unzähligen Muscheln, die Taucherplattformen sowie die Region um und unter dem Bootsanlegersteg.

Fazit: Wenn die Infrastruktur am Einstieg erweitert wird (Toiletten, Equipmentständer etc.), weitere interessante Objekte im See versenkt werden und die anreisenden Taucher bereits im Vorfeld auf der Internetseite und am Telefon auf alle wichtigen Vorschriften und notwendigen Ausrüstungsteile aufmerksam gemacht werden (sonst bleibt ein fader Beigeschmack wegen der Leihgebühr), hat dieser See das Potential ein lohnenswerter Tauchplatz in Sachsen-Anhalt zu werden.

Artikel von Andreas Dittmer